Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist nur, 
wer vergessen wird. 
                (Immanuel Kant)

Die Philosophie Immanuel Kants bildet eine der Wurzeln unseres Wertesystems. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschlands findet sich das von Kant begründete Prinzip der Menschenwürde im Artikel 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war mit Hitlers Machtergreifung - in Gernsheim wie überall in Deutschland - der Rechtsstaat vernichtet worden. Damit brach nicht allein die Tradition des aufklärerische Humanismus, sondern auch das abendländisch-christliche Menschenbild. Männer, Frauen und Kinder aus Gernsheim mussten in den Jahren der Naziherrschaft 1933 bis 1945 das denkbar schlimmste Unrecht erleiden. Einziger Grund: Sie waren anderer Herkunft, anderer politischer und religiöser Überzeugung, anderer physischer und psychischer Konstitution als die befohlene "Volksgemeinschaft".

Im Unterschied zu anderen Opfern, den Heimatvertriebenen oder den gefallenen und vermissten Soldaten zum Beispiel, haben die aus Gründen ihres Andersseins Verfolgten keinen Ort im Gedächtnis einer Familie. Denn diese Verschwundenen sind fort und beseitigt, totgeschwiegen, ermordet oder in der Emigration gestorben. Wer sich an sie, die Nachbarn, Spielgefährten oder Kollegen der Mütter und Väter oder Großeltern noch erinnert, steht heute am Ende seines 9. Lebensjahrzehnts.

Mehrere Bürgerinnen und Bürger der Schöfferstadt Gernsheim haben sich zu Beginn des Jahres 2006 zu einer Initiative zusammengefunden, um einer Pflicht nachzukommen: Die Erinnerung an diese verschwundenen Nachbarinnen und Nachbarn zu pflegen.

Sie haben beschlossen, der Initiative die Form eines eingetragenen Vereins zu geben. Am 21. Juli 2008 unterschrieben zwölf Mitglieder das Gründungsdokument. Am 10. August 2008 liegen die Eintragung im Vereinsregister beim zuständigen Amtsgericht und die Anerkennung als gemeinnützig vom Finanzamt vor.

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