„Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung“

1970, 25 Jahre nach Kriegsende, sprach Willy Brandt in seiner Regierungserklärung vom 8. Mai 1945 als dem Tag der Befreiung. Dafür erntete er großen Widerspruch: Wegen der Mitschuld an den Verbrechen der Nazis weigerte sich die Union, den 8. Mai als Feiertag anzuerkennen. "Niederlagen feiert man nicht", hieß es aus Seite der Union, die damals die Opposition bildete.

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Bundesarchiv_Bild_146-2007-0037,_Gustav_Heinemann

Im selben Jahr hielt Gustav Heinemann, als erster Bundespräsident, eine Rede zum 8. Mai 1945. Doch die Zeit war noch nicht reif für eine Zäsur in der deutschen Öffentlichkeit.

Erst Richard von Weizsäcker sprach vom 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung.

Am 8. Mai 1985 zum Anlass des 40. Jahrestages des Kriegsendes in Europa hielt Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Bundestag eine historische Rede.

Nicht alle Zuhörer im Bonner Parlament waren mit der Rede Weizsäckers einverstanden. Im Ausland hingegen fand die Rede hohe Anerkennung.

Zitat:

„[…]Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.

 

Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewusst erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar waren andere Deutsche für den geschenkten neuen Anfang. […]

 

Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.

 

Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen. Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.

Mordechai Ciechanower wurde am 27. Februar 1924 geboren. Wir wünschen von Herzen alles Gute zum Geburtstag, Gesundheit und noch viele schöne Tage.

Die Weimarer Republik endete nicht am 30. Januar 1933.
Mit dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 begann der Naziterror und Hitler wurde zum unumschränkter Diktator. Es bestehen kaum Zweifel, dass die Nazis nicht selbst die Brandstifter waren.
Sofort am nächsten Tag, dem 28. Februar 1933, wurde die Notverordnung "Zum Schutz von Volk und Staat" verabschiedet. Damit waren die demokratischen Grundrechte außer Kraft gesetzt, Polizei und SA konnten jederzeit Verhaftungen vornehmen. Das Post- und Fernmeldegeheimnis war ebenso aufgehoben wie die Meinungs-, Presse- und Vereinsfreiheit. Für verschiedene Terrordelikte wie auch für Brandstiftung wurde rückwirkend die Todesstrafe eingeführt. "Jetzt wird rücksichtslos durchgegriffen", titelte der "Völkische Beobachter", das wichtigste Blatt im NS-Regime.

Sophie und Hans Scholl, zum Tode verurteilt am 22.02.1943

Vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, wurden die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl nur Stunden später zusammen mit ihrem Weggefährten Christoph Probst hingerichtet.